Daten und Fakten:
- Baubeginn: 1952 – 1954 (Rekonstruktion: 1995 – 1997)
- Länge: 73,5 m
- Breite: 35,0 m
- Höhe: 4,0 m
Öffentlich Verkehrsmittel:
- Station: Jannowitzbrücke
- S-Bahn: S3, S5, S7, S9
- U-Bahn: U8
- Bus: N8, 248, N40, N65
- Anlegestelle: Jannowitzbrücke
Geschichte, Freizeitaktivitäten und Sehenswürdigkeiten
Die Jannowitzbrücke in Berlin Mitte ist keine Touristenattraktion und steht auf keiner Denkmalliste, aber Kenner der Kriminalgeschichte sollten mehr über ihre Geschichte erfahren wollen. 1822 ließ der Baumwollfabrikant Christian August Jannowitz hier erstmals eine Brücke zur Flussüberquerung auf eigene Kosten errichten. Zu dieser Zeit entsprang folgende Wandersage:
„Der Kaufmann Jannowitz war arm und heiratete in einen Krämerladen in der Poststraße hinein. Um seine Waren besser transportieren und absetzen zu können, baute er eine Brücke über die Spree. Sein Geschäft ging gut vorwärts; aber die bedeutend ältere und hässliche Frau gefiel ihm nicht mehr. Er verliebte sich in eine junge hübsche Angestellte und wollte sich von seiner Frau scheiden lassen. Aus Gram darüber stürzte sich diese von der neuen Brücke in die Spree. Zum Andenken an dieses Unglück und zur ewigen Strafe für die Untreue des Kaufmanns wurde die Brücke Jannowitzbrücke genannt.“
Bevor im Jahr 1881 die Holzkonstruktion durch eine dreibogige Eisenfachwerkbrücke ersetzt wurde, die bis in die 1920er Jahre Bestand, wurden ganz in der Nähe am Stralauer Tor Todesstrafen vollstreckt. Frauen, die wegen „Kindesentledigung“ zwischen 1648 – 1701 schuldig geworden waren, steckte man in einen Sack und ertränkte sie in der Spree.
Die dritte Jannowitzbrücke sei wohl die geschmackvollste gewesen sein, jedoch wurde diese in der Schlacht um Berlin, von den Deutschen selbst, zerstört, und zwar als sogenannte Verteidigungsmaßnahme. In den 50er Jahren entstand das gegenwärtige schlichte Bauwerk. Die Brücke markierte zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Jahrhundertwende die Grenze zwischen dem gesitteten Berlin und den berüchtigten Vierteln, weil das Gebiet in der Nähe der Brücke die höchste Kriminalitätsrate in Berlin hatte.
Zwischen 2005 und 2007 wurde die Brücke wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Sinn der heutigen, wie auch damaligen Brücke, ist es den Verkehr vom Norden, der vom Alexanderplatz her kommt, zu den Gebieten in den Süden aufzunehmen.
Trotz der gefühlt ewig andauerten Sperrung fand wohl tatsächlicher nie Mord auf der Jannwitzbrücke statt. Stattdessen ein Berliner Spottgedicht überliefert:
„Herr und Frau Mücke gingen über die Jannowitzbrücke.
Da kam eine Mücke und stach Frau Mücke ins Genicke.
Da nahm Herr Mücke die Krücke und schlug der Mücke ins Genicke.
Das war der Mord auf der Jannowitzbrücke.“
Wer Lust auf mehr einen Kriminalroman bekommen hat, dem sei dieses Buch mit gleichnamigen Titel der Brücke empfohlen Holtkötter, Stefan: Fundort Jannowitzbrücke. München: Piper Verlag, 2012. ISBN 9783492955805
In unmittelbarer Nähe findet man das Jannowitzcenter und Chinesische Botschaft . Beides sehr schmucklose Gebäude und daher leicht zu übersehen.
Ganz anders jedoch die Anlegestelle der Stern- und Kreis-Schifffahrt, im Sommer zur Strandbar „Gestrandet“ wird. Auch das chinesische Restaurant „Ming Dynastie“ kann wegen der schmackhaften Köstlichkeiten empfohlen werden.
Wer einen längeren Besuch plant kann gerne auch einen Tag im nahe gelegenen Schwimmbad verbringen. Neben Souvenirs mit dem typischen U-Bahn-Sitzmuster, können auch Antworten auf Fragen rund um Tickets an der BVG-Zentrale erhalten werden.
Quellen:
Badelt, Udo: Berliner Brücken (13) Geschichte im Gegenlicht: Die Jannowitzbrücke; URL: https://www.tagesspiegel.de/kultur/berliner-bruecken-13-geschichte-im-gegenlicht-die-jannowitzbruecke/8861874.html [Stand: 30.09.2013, 11:24 Uhr]
Nicor: Jannowitzbrücke: URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin_Jannowitzbr%C3%BCcke [Version vom 21:45, 5. Feb. 2019]
Schurich, Frank-Rainer: An der Jannowitzbrücke. 2019, 22(3). URL: https://das-blaettchen.de/2019/02/an-der-jannowitzbruecke-47126.html